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Rendezvous der Klassiker Drucken E-Mail
Geschrieben von Peter Bongardt   
Dienstag, 24 Januar 2006

Hansajolle 61 in LageDer Essener Yachtclub hatte in diesem Jahr zum „Ersten Klassiker-Rendezvous Rheinland" eingeladen. Anlass war das 50-jährige Bestehen des EYC und der 80ste Geburtstag des 30er Schärenkreuzers „Symphonie" aus dem Jahre 1925.
Als ich in der Yacht einen kleinen Artikel über dieses Ereignis las, meldete ich mich sofort an. Denn darauf hatte ich schon lange gewartet. Mit fast 50 Jahren (Baujahr 1957) gehört meine Hansa-Jolle schließlich auch zu den Klassikern. Eine Klassik-Regatta hatte ich bisher nur einmal als A&R-Cup für Hansa-Jollen am Sorpesee erlebt und war damals ganz begeistert.

Plötzlich erhielt ich im Urlaub einen Anruf in dem mir der Organisator Herr Baron mitteilte, dass meine Meldung aus organisatorischen Gründen leider nicht mehr berücksichtigt werden könnte. Er machte mir jedoch noch etwas Hoffnung, nachdem er gehört hatte, wie sehr mir an dieser Regatta gelegen war. Tage später erhielt ich dann doch noch eine Zusage.

Ich konnte nun am „Ersten Klassiker-Rendezvous Rheinland" teilnehmen. Ich war ganz stolz.

Am Samstag, dem 04. Juni, ging es los. Tobias Eckhardt, mein Vorschoter, war pünktlich am Steg. Es wehte ein kräftiger West-Wind und wie immer war es sehr böig. Gemeinsam überlegten wir noch, ob lieber Fock oder Genua. So schlimm wird es nicht werden, meinte Tobias. Die Genua können wir ja im Bedarfsfall wegrollen und reffen können wir auch noch. Außerdem wollten wir wenigstens unter den Klassikern einen guten Platz machen.

Der erste Schlag führte zum EYC. Dort festgemacht bewunderten wir erst einmal die schönen Schiffe, die sich mittlerweile dort versammelt hatten. Es waren fast 20 Schiffe. Darunter waren drei 30er Schärenkreuzer, drei 30er Binnenkieler, drei Drachen, ein Folke Junior, ein Folkeboot ,eine 22er Rennjolle und insgesamt 7 Hansa-Jollen. Das älteste Schiff war die „Black and Blue" aus dem Jahre 1914, ein 30er Binnenkieler. Relativ jung war dagegen die Hansa-Jollen- Flotte mit den Baujahren 1957-1960.

Der Wind briste bereits kräftig auf. Nach meinem Windmesser waren es in den Böen gute 6 Beaufort. Das Rauschen der hohen Bäume war nicht zu überhören. Von reffen hatte keiner gesprochen und als ich mich umsah, hatte auch jeder seine Genua angeschlagen.

Bei der Steuermannsbesprechung wurde das Kangaroo-Startverfahren kurz durchgesprochen. Wir segelten nach Yardstickzahl.

Der Start verlief problemlos. Die Wenden klappten ausgezeichnet. Tobias trimmte das Vorsegel optimal und ab und zu gab er auch dem Fahrtensegler einen Tipp für die Optimierung des Großsegels. Wir lagen nicht schlecht, was ich bei anderen Regatten nicht sagen kann. Aber hier segeln auch die Klassiker untereinander. Es gibt heute keine Kunststoffkonkurenz.

Hätten wir die Fock angeschlagen und sogar das Groß gerefft, hätten wir gegenüber den Anderen einen echten Nachteil, dachte ich so.

Von Westen zogen dunkle Wolken auf, sehr dunkel, und wir mussten mit Regen und zunehmenden Wind rechnen. Tobias hatte bereits seine Regenjacke angezogen. Das Schiff lief am Wind, und wir saßen auf der Kante. Für einen Moment glaubte ich nun auch meine Jacke anziehen zu können. Dazu musste ich allerdings die Großschot aus der Hand legen.

Wird schon gut gehen, dachte ich. Der Gedanke war noch nicht ausgedacht, ich steckte mit einem Arm halb im Ärmel, da knallte eine Böe ins Segel. Das Schiff legte sich auf die Seite.

Ich sah es wie in Zeitlupe. Ich nahm keine Geräusche mehr wahr, sah nur noch wie sich meine „Mistral" weiter krängte, zu weit. Das Wasser schoss in die Plicht. Es nahm kein Ende. Das Schiff wollte sich nicht wieder aufrichten. Ein Alptraum. Dort, wo ich die Elektrik untergebracht hatte, strömte massenweise Wasser hinein. Jetzt nicht so wichtig. Hauptsache, das Schiff sinkt nicht. Da fielen mir wieder die Worte meines Sohnes ein: Hast du dir den jetzt Auftriebskörper eingebaut? Ich hatte natürlich immer noch keine, weil ich mir immer noch nicht einig war, wie und wo sie untergebracht werden sollten.

Nach einer Ewigkeit richtete sich das Schiff wieder auf. Die Bodenbretter und all unsere Sachen schwammen umher. Das Schiff war ungefähr halbvoll. Segeln konnten wir nicht mehr. Das Schiff war zu unstabil. Die Segel mussten sofort runter. Denn der böige Wind hätte uns jetzt leicht noch mal kentern können und dann wäre wirklich alles zu spät gewesen.

Verzweifelt versuchte ich mit meiner Lenzpumpe das Wasser aus dem Schiff zu pumpen. Der Schweiß stand mir auf der Stirn. Es wurde nicht weniger. Zweifel kommen auf. Funktioniert sie überhaupt. Egal, weiterpumpen. Da war plötzlich der DLRG mit seinem Boot da. Ein gutes Gefühl, Helfer in der Nähe zu haben. Nach kurzer Absprache einigten wir uns auf Abschleppen in ruhiges Gewässer, in den Hafen vom EYC, denn der liegt sehr geschützt.

Im Hafen angekommen hatten wir reichlich Zuschauer. Der DLRG ging längsseits und stellte seine Hochleistungspumpe in mein Boot. Aber auch die brauchte noch eine viertel Stunde. Danach war Trockenwischen und aufräumen angesagt.

Eigentlich hatte ich mir die Regatta anders vorgestellt. Aber ich war es ja selber Schuld. Ich hatte bei dem Wetter einen groben Fehler gemacht. Nie wieder, lieber lass ich mich nass regnen.

Bei der Siegerehrung konnte ich nur noch die tollen Preise bewundern. Der EYC hatte sich viel Mühe gegeben.

Es war eine gelungene Veranstaltung und ich hoffe, das auch im nächsten Jahr wieder ein Rendezvous der Klassiker stattfindet.

Die Rückfahrt zu meinem Club wurde vom kräftigen Regen begleitet, bei immer noch starkem Wind. Pinne und Schot ließ ich nicht los. Ich war froh wieder im Hafen zu sein. Triefnass.

Die total mit Wasser durchspülte Elektrik hatte ich mir dann am nächsten Tag genauer angeschaut. Hatte alles auseinander genommen, trocken gewischt und mit dem Fön trocken geblasen. Vier Stunden Arbeit. Es hatte sich gelohnt. Fast alles funktionierte wieder. Den Rest bekam ich für 30 Euro repariert.

Peter Bongardt


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